durch bruch – über Spuren in der Fotografie

In dem Moment, in dem ich ein Foto mache, habe ich ihn hinter mir gelassen. Was bleibt, sind festgehaltene Erinnerungen daran: visuelle Spuren des einen, flüchtigen Momentes.

  • Abbildungen Johannes Hüffmeier
  • Text Johannes Hüffmeier

Aber zeichnet eine Fotografie diese Abdrücke des Lebens lediglich ab oder besteht sie nicht eher selbst aus unzähligen Spuren, die sich mit den aufzuzeichnenden, äußeren Zeichen verflechten – mal im Einklang mit ihnen, mal im Widerspruch? 

Die Bedeutungen des Begriffs Spur sind so vielfältig wie all die Dinge, die als solche bezeichnet werden können: Die Assoziationen reichen von etwas, das in sehr kleiner Menge vorhanden ist, bis hin zu sichtbaren Verweisen auf zuvor Bestehendes und nun Vergangenes. Die Fotografie ist imstande, kleinste Partikel abzubilden und dadurch Vergangenes im Sichtbaren zu bewahren. 

Gleichzeitig besteht die Kamera selbst aus Materialien, die ebenfalls Spuren in sich tragen – sei es durch den stofflichen Ursprung, der Art der digitalen und analogen Lichtfestschreibung oder in Form von Kratzern, Gebrauchsspuren und bildlichem Rauschen –, die ihre eigenen Verweise auf Geschichtliches erzählen. Jedes Auslösen hinterlässt Markierungen. Zeitdokumente, die durch ihre gegenwärtige Beschaffenheit das Vergangene aufzeichnen. Doch Spuren können auch trügerisch sein, sie können verschleiern und verfälschen. Der Wahrheitsanspruch, der an die Fotografie geknüpft ist, erweist sich auch aus diesem Grund als fehlgeleitet.

Spuren können auch trügerisch sein, sie können verschleiern und verfälschen.

Bei der Serie »durch bruch« erkunde ich die Spuren, die wir im Alltag hinterlassen, anhand eines Skateboards und verknüpfe sie mit den Abdrücken des fotografischen Mediums. In dieser Arbeit verschmelzen Materialität, Bewegung und Abnutzung mit unseren visuellen Gewohnheiten der Fotografie. Denn alles, was wir tun, hinterlässt Spuren. 

Die Bandbreite ist groß: Überreste von Erinnerungen treffen auf Bruchstücke und ihre Andenken. Bildlich und allegorisch zeigen Lebensabdrücke ästhetische Variationen. Die Fotografien reflektieren den Wunsch, Abnutzung nicht als einen bloßen Weg zu Beschädigung und Zerstörung zu betrachten, sondern als abstraktes Zeugnis davon, wie wir auf unsere Umwelt wirken. Hier werden unsere Einflüsse festgehalten und sichtbar gemacht.