Weiß-bunter Kittel, immer ein offenes Ohr und gute Lösungsvorschläge für kreative Ideen – Sabrina Brose kennt wahrscheinlich jede:r am Fachbereich Gestaltung. Sie ist gleichzeitig gute Seele und Motor der analogen Druckwerkstätten.
InterviewNina Michler
FotografieJonas Glanz, Leon Haas
NM
Kannst Du dich einmal vorstellen, Sabrina?
SB
Ich bin Sabrina Brose, die Werkstattleiterin der analogen Druckwerkstätten hier am Fachbereich Gestaltung der HSBI.
NM
Was sind deine Aufgabenfelder und Angebote am Fachbereich?
SB
Ich bin für den grafischen Siebdruck zuständig. Das beinhaltet die Betreuung der Werkstatt, sowie die Unterstützung bei Abschlussarbeiten und freien Projekten. Zudem biete ich Workshops und eine offene Werkstatt an, in der verschiedene Technikschwerpunkte gesetzt werden können. Ein ähnliches Angebot gibt es auch in der analogen Druckwerkstatt. Da können Einsteiger lernen, wie Linoldruck funktioniert. Es können aber auch weiterführende Techniken ausprobiert werden. Außerdem betreue ich organisatorisch die Buchbinderei. Die offene Buchbindewerkstatt ist mit der offenen Linolschnittwerkstatt verknüpft, sodass die Studierenden in beide Bereiche hineinschauen können. Ich bin auch für den Bleisatz zuständig, zu dem es im Rahmen der Typokurse Workshops gibt. Auch die Betreuung des Riso-Druckers gehört zu meinen Aufgaben. Zusätzlich leite ich einen Technikkurs im textilen Siebdruck, in dem wir uns ein Semester lang intensiv mit der Technik und verschiedenen Möglichkeiten des textilen Siebdrucks auseinandersetzen.
NM
Wie verlief dein kreativer Werdegang und wie bist du an die HSBI gekommen?
SB
Mein Weg hierher verlief über ein paar Umwege. Nach meinem Abitur in Kunst und Latein habe ich zunächst im technischen Bereich gearbeitet, da ich Diplomingenieurin bin. Ich merkte aber, wie sehr mir das kreative Schaffen fehlte. Ich beschloss, ein zweites Studium zu machen und bewarb mich hier mit Druckgrafiken, weil ich mich zu diesem Zeitpunkt schon viel mit Hoch- und Tiefdrucktechniken – besonders Kaltnadel- und Ätzradierung sowie Linolschnitt – beschäftigt hatte. Ich wollte unbedingt hier studieren, da es hier diese Druckwerkstätten gibt.
Während meines Bachelors habe ich in der Linolwerkstatt gearbeitet, die war damals noch studentisch verwaltet. Dann beschäftigte ich mich zunehmend mit Siebdruck und wurde erst studentische Hilfskraft im textilen Siebdruck und dann wissenschaftliche Hilfskraft im grafischen Siebdruck. Nach meinem Abschluss erhielt ich hier einen Lehrauftrag und eine kleine Stelle im textilen Siebdruck. Später bewarb ich mich auf meine aktuelle Stelle.
NM
Was inspiriert dich und was ist für dich der schönste Aspekt an deinem Job?
SB
Kommunikation und Interaktion mit Menschen haben für mich immer eine wichtige Rolle gespielt und spiegeln sich daher oft in meinen Arbeiten wider. Diese Themen passen gut zu meinem Job. Mein künstlerisches Schaffen ist aktuell in den Hintergrund gerückt, da ich vor allem Techniken vermittle, aber ich mag es total gerne, mit den Student:innen in den Austausch zu kommen, über ihre Arbeiten zu sprechen und sich so gegenseitig zu inspirieren. Es ist spannend, gemeinsam nach Wegen zu suchen, um Projekte umzusetzen. Da überschreiten wir gewohnte Bahnen, experimentieren und gestalten Neues.
NM
Bist du außerhalb der Hochschule aktuell kreativ tätig?
SB
Ich bin Teil des Naturtrüb-Kollektivs. Wir bringen ein feministisches Kunst- und Wissenschaftsmagazin heraus. Das ist ein spannender Kontrast zu meiner Arbeit, da wir nicht nur ein Druckwerk erstellen, sondern auch Lesungen und Ausstellungen veranstalten bzw. kuratieren. Ich schätze den Austausch mit Kunst- und Kulturschaffenden und finde es super, dass Bielefeld eine so aktive Szene hat.
Zudem bin ich am Färbergarten-Projekt hier am Fachbereich beteiligt. Das entstand aus dem Wunsch, mehr im Rahmen der Nachhaltigkeit zu machen. In Zusammenarbeit mit Marie-Luise Rawe, unserem Hausmeister Rainer Westerbarkey und Student:innen, haben wir ein Hochbeet angelegt, in dem Färbe-Pflanzen angebaut werden – üblicherweise ist das Färben von Textilien ja nicht besonders nachhaltig. Der Färbergarten dient nicht nur zur Veranschaulichung des Prozesses, sondern erweitert auch das Angebot für das Färben und Arbeiten mit Naturfarben.
NM
Was würdest du hier am Fachbereich gerne umsetzen?
SB
Ich sehe im Bereich des Färbens noch viel Potenzial. Es wäre spannend, Pflanzentinten herzustellen und zu untersuchen, ob sich pflanzliche Farben auch für den Siebdruck eignen. Das erfordert viel Forschung und Experimente, die momentan aufgrund des Zeitmangels nicht so möglich sind.
Ich würde mir auch eine noch stärkere Zusammenarbeit mit Gestaltungskursen wünschen. Da würde ich gerne technische Unterstützung in der Umsetzung von Gestaltungsprojekten leisten. Außerdem wäre es schön, die entstandenen Werke noch stärker in der Öffentlichkeit zu präsentieren, beispielsweise durch studentische Ausstellungen. Die öffentliche Rückmeldung empfinde ich als sehr wichtig für die Student:innen.
NM
Warum sollten alle Student:innen unbedingt die analogen Drucktechniken ausprobieren?
SB
Interessanterweise habe ich während meines Studiums eine theoretische Arbeit darüber verfasst, welche Erfahrungen die Student:innen beim analogen Arbeiten machen, die ihnen bei ausschließlich digitaler Arbeit entgehen. Das sind ganz viele Aspekte. Man wird plötzlich in Bezug auf Farbräume eingeschränkt oder dazu gezwungen, die eigenen Gestaltungsmittel zu überdenken, da nur bestimmte Schriftarten verfügbar sind oder eine bestimmte Linienstärke nicht über- oder unterschritten werden kann.
Der längere Arbeitsprozess und das selbst geschaffene Endergebnis in den Händen zu halten, gibt eine neue Sicht auf die Wertigkeit von Produkten. Hinzu kommen eher profane, aber wichtige Erfahrungen wie das Anmischen einer Farbe aus Pigmenten, um festzustellen, aus welchen Bestandteilen der Farbton besteht. Auch die Haptik von Papier, das Spüren der Farbe auf dem Papier … Beim Bleisatz zu verstehen, dass ein Leerraum nicht einfach nicht existent ist, sondern tatsächlich ein kleiner Bleiklotz, den man setzt – all das verändert den Blick und trägt zum Verständnis von Gestaltung bei.