Was macht eigentlich ... Laura Osterhoff?

  • Text Lucia Thiede
  • Fotografie Laura Osterhoff
LT

Wo erreichen Dich diese Interviewfragen gerade? Es sieht bei Dir aus wie in den Kellerräumen des Fachbereichs!

LO

Nicht so ganz, ich bin im Theater in Oberhausen als Assistentin der Kostümbildnerin und komme gerade von einer Probe.

LT

Was hat Dich nach deinem Modedesign-Studium ans Theater geführt?

LO

Leider wurde ich für den Master in Bielefeld nicht angenommen. Das hat mich zwar überrascht, aber im Nachhinein bin ich dankbar, denn dadurch habe ich meinen Weg ins Theater gefunden. 

LT

Was macht deine Tätigkeit am Theater aus?

LO

Ich betreue seit September als Assistentin der Kostümbildnerin Produktionen der Theaters. Die Kostüme und die Ausstattung sollen in den Proben und bei der Premiere den Schauspielenden zu Verfügung stehen. Ich habe auch schon eine erste eigene Produktion, die ich betreue. Spannend ist, dass man immer wieder neue Stücke umsetzt und mit neuen Leuten arbeitet und dabei nicht nur von Außen viel Dynamik entsteht, sondern auch innerhalb des Theaters die Gewerke dazu beitragen: Wir haben eine eigene Malerei, Schlosserei, Tischlerei, Schreinerei, zwei Schneidereien, Dekorateurinnen, Bühnentechniker, Lichtmeisterinnen. Es gibt 23 fest angestellte Schauspieler:innen und zahlreiche Premieren jedes Jahr – das ist nicht selbstverständlich.

LT

Gibt es auch negative Seiten bei deiner Arbeit?

LO

Ja, schon. Die finanzielle Lage am Theater ist herausfordernd und die Verträge sind in der Regel befristet, aber es gibt auch viele positive Aspekte. Die Arbeitszeiten sind abwechslungsreich. Sie sind auf die Proben und Schauspieler:innen ausgerichtet und in den Pausen muss man manchmal noch etwas organisieren. Das sorgt für spannende, dynamische Tage. Ich genieße dadurch viele Freiheiten, kann mir meine Arbeit selbst einteilen und weiß, dass mir meine Kolleg:innen vertrauen und mich wertschätzen.

LT

Freust Du dich darauf, wenn ein Stück fertig wird?

LO

Ja, sehr! Am Freitag zum Beispiel wird das letzt große Stück dieser Spielzeit Premiere haben. Das wird ein Meilenstein sein. Danach habe ich außerdem wieder mehr Zeit für die anderen Produktionen, die noch parallel laufen. 

LT

Wie hat dich dein Studium auf diese Tätigkeit vorbereitet?

LO

Es hat einige gute Grundlagen gelegt. Ohne das Wissen des Studiums könnte ich keine so großen Projekte planen und umsetzen. Aber mir fehlen auch einige Aspekte, die ich gerne im Studium gelernt hätte: Zum Beispiel finde ich es wichtig, viel über die Mode- und Kostümgeschichte zu wissen – Das wurde kaum gelehrt in Bielefeld, was mich sehr enttäuscht hat. 

Auch die Betreuung der eigenen Kollektionen sehe ich im Nachhinein kritisch: Man muss gut zusammenarbeiten können und sich auf die Wüsche der Lehrenden einstellen, auch wenn man vielleicht andere Pläne hat. Im Theater ist es viel künstlerischer, ich bin finanziell freier in meinen Entscheidungen und werde von meinem Team bei meinen Ideen unterstützt. Ich hätte mir gewünscht, dass dieser Bereich in Bielefeld mehr gefördert wird.

LT

Ist die Atmosphäre am Theater in Oberhausen offener?

LO

Ja, auf jeden Fall. Eigentlich hatte ich nicht erwartet, mit so vielen Menschen zu arbeiten. Überrascht habe ich festgestellt, dass das Klischee, im Modebereich seien nicht immer nur freundliche Menschen, hier überhaupt nicht zutrifft. Es ist wirklich ein Traum! Man merkt gar nicht, wie viel man arbeitet, weil man ständig mit großartigen Kolleg:innen umgeben ist und auch viel Freizeit miteinander verbringt. 

LT

Gibt es einen Lieblingsort, an dem Du gerne bist?

LO

An meinem allerersten Tag saß ich nach der Einarbeitung in einer Generalprobe zur Spielzeiteröffnung im Publikum und hatte Tränen in den Augen, weil ichrealisiert habe: Hier arbeite ich jetzt. Genau dafür habe ich so gekämpft. Der Zuschauerraum im großen Haus ist einer meiner Lieblingsorte. Und ansonsten bin ich gerne bei den Schneiderinnen und im Innenhof, weil man sich da über vieles austauschen kann.