Manche Dinge denkt man so abstrakt vor sich hin und dann werden sie völlig unvermittelt auf den Punkt gebracht. So ging es mir wieder einmal mit der Weisheit des Fachbereichs-Wolfes. Eigentlich ging es um Monster-Energy-Memes, aber dann postet designismy_passion, vermeintlich aus Versehen: Wenn die neue Mensa nicht alle Sorten Mensa anbietet, dann will ich sie nicht. Wie wahr! Nie habe ich eine so akkurate Analyse der Nahrungsmittelversorgung an diesem Fachbereich gelesen.
Wenn die neue Mensa nicht alle Sorten Mensa anbietet, dann will ich sie nicht.
Was an anderen Hochschulen das abwechslungsreiche Mensaangebot ist, ist bei uns die Abwechslung der angebotenen Mensen. Zugegeben, man muss schnell sein, um von der gesamten Vielfalt der kulinarischen Köstlichkeiten profitieren zu können. Aber dann sind den gastronomischen Erfahrungen keine Grenzen gesetzt!
Allein die Getränkeauswahl beeindruckt nachhaltig: Das vom Hausmeister persönlich gefilterte Wasser versorgt Studierende mit Eisen und Kalzium und bestimmt noch mit ein paar anderen Sachen, im Typo-Raum finden sich das ganze Jahr über gut temperierter Glühwein und komplett an die Kühlschrank-Rückwand gefrorener Sekt, im Foyer dürfen wir uns an einem unscheinbaren Politikum der deutschen Hochschullandschaft bedienen, dem pionierhaften ersten Wasserspender einer Bielefelder Hochschuleinrichtung, der nicht weniger Nährstoffe als das besungene Leitungswasser bereithält und darüber hinaus mit mehr Einlage punkten kann als die Suppen des Studierendenwerks.
Im Typo-Raum findet sich das ganze Jahr über gut temperierter Glühwein.
Wer darüber nicht in Ekstase gerät, sollte es mit einer von unzähligen Sorten Mate probieren, die 100-prozentig das Ergebnis einer aufwändigen Lehr-Evaluation sind. Zugegebenermaßen schwierig verhält es sich mit dem Essen, denn was für die meisten eine angemessene Frühstückszeit wäre, entpuppt sich in diesem Gebäude in der Regel als Sperrstunde der Mensa. Nicht so im vergangenen Semester, als ein Pop-up (and down) -Truck mit Streetfood ungeahnte kulinarische Erlebnisse bereithielt: kaum zu fassen, stand der Streetfood-Wagen doch in direkter Konkurrenz zum Mensamenü, das unser geliebter Koch täglich eigenhändig kuratierte.
Ja, dazu musste man wirklich schnell sein, böse Zungen behaupten, der Streetfood-Wagen war eine Halluzination derjenigen, die zu unglücklicher Stunde eine dreifache Portion grüner Soße statt einer Gemüsebeilage erhalten hatten, aber was wäre eine kulinarische Reise schon ohne psychotrope Grenzerfahrungen?
Generationen von Studierenden an diesem Fachbereich entdeckten früh in ihrer akademischen Laufbahn, dass sie beileibe nicht unkomplizierte Esser sind, die einfach nur „irgendetwas Schmackhaftes“ zu sich nehmen wollen. (Siehe hierzu den eindrucksvollen Beleg in Form zahlreicher Bilder auf der Instagramseite der foodies [Danke für die Bilder, irgendwie verabschiedete sich der eine oder andere Koch bereits in Rente bis wir online waren...]) Das hat uns demütig gemacht, jedenfalls habe ich niemals jemanden darüber klagen hören, dass es eine gewisse Leidensfähigkeit braucht, um sich in die Essensausgabe zu stellen oder einen angenehmen Platz im Aufenthaltsbereich der Cafeteria zu ergattern.
Doch die kommende Generation Studierender wird von all dem nichts ahnen! Die Welt unterteilt sich in ein Vorher und ein Nachher. Alles wird anders. Die neue Mensa verlässt sich nicht mehr auf die Konsequenz der traditionellen Menüs, die alle Aggregatzustände einer Kartoffel zelebrierten (Pommes mit Kroketten an Bratkartoffeln). Das, was jetzt kommt, hat niemand für möglich gehalten: Frischer Kaffee und belegte Brötchen in Raum 020! Eine (beinahe) vollkommen renovierte, glänzende Mensa, die in Kürze eröffnet (und dann täglich erst abends wieder geschlossen!!) wird. Zu allem Überfluss: Ein an... uns alle?! angepasstes Menü.
Damit reagiert die Hochschule auf Umfragen unter Lehrenden, Mitarbeitenden und Studierenden, die ergaben, dass das Mensaessen vielfältiger, gesünder, anpassbarer und nachhaltiger sein sollte und der Raum ein Makeover für mehr Gemütlichkeit braucht. Von offizieller Seite heißt es bis es so weit ist: Für weniger "Kaffee-Überraschungen" und "morgendliches Chaos", neue Sitzgelegenheiten ohne Origami-Kunstwerk-Sitzpositionen, frische Snacks und geduldige Magie sind wir herzlich in die Warteschlange Raum 020 eingeladen. 🍽