Musik und Design

Egal ob Tame Impala, Taylor Swift, Steely Dan oder Talking Heads, ob Rock oder Pop, Klassik oder Jazz, Punk oder Hip Hop, es gibt wohl kaum einen Menschen, der Musik nicht mag.

  • Text Sunny

In unserer Gegenwart begleitet uns Musik durch Spotify und ähnlichen Plattformen zu jeder Zeit an jeden Ort. Wir können auf Anhieb die absurdeste Underground-Band und die berühmtesten Hits hören. Was früher ein teures Hobby war, kostet heute 10€ im Monat, und wenn man sich vor Jahren bei einem Spotify Familien-Account eingeschleust hat, sogar noch weniger. Kurz gesagt: Die Welt der Musik ist zugänglicher als je zuvor. 

Wie entwickelt sich also unser Musikgeschmack, wenn wir alles hören können? Vielleicht sind es die CDs, die früher bei den Eltern liefen, vielleicht sind es die Sachen, die unser Freundeskreis hört, doch vielleicht prägt uns auch die Musik, die uns visuell anspricht. Der offensichtliche Indikator der visuellen Gestaltung von Musik ist zweifelsohne das Albumcover. Es kommuniziert uns, den Hörer:innen, die Thematik des Albums, und gibt uns schon vor dem Hören eine Idee, was auf uns zukommt. 

Der offensichtliche Indikator der visuellen Gestaltung von Musik ist zweifelsohne das Albumcover.

Gerade im Rahmen der Wiederbelebung einer Platte, rückt das Album-Cover im Großformat wieder in den Vordergrund. Einer Studie zufolge haben viele junge Leute, die sich Platten kaufen, überhaupt gar keinen Plattenspieler. Es ist für sie mehr ein Ausstellungsobjekt und daran können wir feststellen: Die visuelle Gestaltung von Musik ist fast genauso relevant wie die Klänge selber. 

Das wahrscheinlich bekannteste Album-Cover aller Zeiten ist Pink Floyds „The Dark Side of the Moon“. Das Lichtprisma vor dem schwarzen Hintergrund vermittelt den klar definierten und cleanen Sound der Musik und repräsentiert die Lyrik, welche sich viel mit der Angst vor dem Tod und Veränderung beschäftigt. 

Licht als Symbolik für den Ursprung des Lebens ist tief in der Kulturgeschichte verankert. Ein Grund mehr, warum es wohl kaum einen Menschen geben wird, der das berühmte Cover nicht kennt. Im Gegensatz dazu ist die bunte und beinahe chaotische Gestaltung des Covers von Sgt. Peppers Lonely Hearts-Club Band, die einen Schriftzug aus Blumen und die Beatles-Ikonen selber in bunten Outfits zeigt, eine wunderbare Darstellung für den Charakter der Musik. 

Die Beatles präsentieren sich als eine in die Jahre gekommene Rock-Band, die versucht, ihren Erfolg wieder aufleben zu lassen. Es ist teilweise absurde Musik, die den beatles-typischen fröhlichen Ton nicht verliert und die Hörer:innen auf eine schnelllebige und abwechslungsreiche Reise mitnimmt, die tonal vielseitiger nicht sein könnte. Diese Alben-Cover werden zu Ikonen, die den Einfluss ihrer Musik repräsentieren, sie werden zu eigenständigen Plakaten. Auch heutzutage finden wir Alben-Cover, die für junge Menschen einen hohen Stellenwert haben. 

Diese Alben-Cover werden zu Ikonen, die den Einfluss ihrer Musik repräsentieren, sie werden zu eigenständigen Plakaten.

Tyler – the Creators Igor ist das angepriesenste Werk des Künstlers und in meiner Generation wohl eines der beliebtesten Alben und Alben-Cover. Auf dem Cover sehen wir ein grob ausgeschnittenes, dunkles Foto von Tylers bösem Gesicht vor einem angenehm pinken Hintergrund. 

Beide Komponenten spiegeln sich in der Musik wider: Während wir in der ersten Hälfte des Albums verfolgen, wie Tyler sich in einen Jungen verliebt und die schönen Seiten einer Liebe und einer Beziehung erfährt, behandelt die zweite Hälfte des Albums die Trennung und den damit einhergehenden Prozess der Heilung. Von Trauer zu Hass zu Akzeptanz – bis zum finalen Abschließen. Diese universelle, kontrastreiche Erfahrung zog Millionen Menschen in ihren Bann, wodurch Igor zu einer Hymne junger Menschen wurde. 

Im neuen Zeitalter der Platte rückt das Album-Cover wieder in den Vordergrund, und wir werden erneut von der visuellen Gestaltung der Musik begeistert. Sie erinnert uns daran, wie wichtig und vielschichtig Gestaltung in den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens ist.