Eine zentrale Komponente, welche die in den 1970er Jahren gebaute Stadtautobahn zu einem stadtplanerischen Problem macht, ist die stetige Lärmbelastung. Diese Belastung wirkt sich dauerhaft auf das Leben der Anwohner:innen aus und ist mitunter zum Kernthema und Kritikpunkt der Diskussion um die planerische Weiterentwicklung dieser Straße geworden.
Es gibt mittlerweile Überlegungen, die Autobahn zu überbauen, um dem Lärm und dem Wohnraummangel in der Stadt entgegenzuwirken. Die Arbeit Rauschen bezieht diesen Lärm in die fotografische Dokumentation des Ortes mit ein, um diese nicht-optische Dimension der Erfahrung des Ortes zu zeigen.
Rauschen besteht aus zwei medialen Bestandteilen, genauer Analogen Fotografien und Tonbandaufnahmen. Sämtliche Fotografien entstanden in Hörweite des Ostwestfalendamms und sind auf 35 mm Schwarz-Weiß-Film fotografiert. Es wurde eine Spiegelreflex Kamera mit 50mm Objektiv verwendet und die Negative analog abgezogen. Stilistisch sind die Bilder dokumentarisch und unaufgeregt fotografiert und entstammen dem persönlichen Eindruck, sozusagen einem stream of consciousness, beim Erkunden der Straße von einem Ende zum Anderen. Sie geben den eigenen Eindruck der fotografierten Orte wieder. Diese Vermittlung eines Eindrucks in der Fotografie ist dabei selbstverständlich immer schon durch den Apparat limitiert. Die Bedingungen, an welche die Fotografie mit der Kamera gebunden ist, sprich Objektiv, Bildausschnitt und Lichteinfall, beeinflussen immer auch die Übertragung vom Gesehenen und dem Bewusstsein auf das Foto.
Die zu den Fotos abgespielten Tonaufnahmen sind ebenfalls analog entstanden. Es handelt sich dabei um Ausschnitte des Lärms des Ostwestfalendamms. Dazu wurde das Aufnahmegerät über die Straße gehängt, das jeweils eine halbe Stunde die Geräusche der Autobahn einfing. Die beiden kombinierten Darstellungsebenen ermöglichen einen anderen Blick auf die Wahrnehmung der Fotos und verweisen gegenseitig auf sich. Der Ton bekommt durch die Bilder einen Kontext und wird damit ,verortet‘ und die Bilder bekommen eine Geräuschkulisse und werden griffiger. Durch die Fotografien der Orte werden einerseits tatsächliche Orte in Verbindung mit dem Ton gezeigt und damit dokumentiert und andererseits verändert sich auch die Symbolbedeutung der fotografierten Motive.
Der Ton bekommt durch die Bilder einen Kontext und wird damit verortet.
So verändert sich beispielsweise die Wahrnehmung eines Waldes, der als Natur- und Kulturraum immer auch mit Bedeutungen über den konkreten Ort hinaus aufgeladen ist, durch die Kombination aus Lärm und Bild. Es wird anhand des Ostwestfalendamms auch eine Dokumentation der Beziehung von Lärmbelastung und Wohnen oder Natur deutlich gemacht und somit auf aktuelle gesellschaftliche Diskurse verwiesen. Der Ostwestfalendamm wird als Ort dokumentiert und ist gleichzeitig auch als Symbol für ein städtebauliches Verständnis von Mobilität der 1960er und 70er Jahre zu verstehen.
Die beiden Medien eint das Rauschen.
Die beiden Medien, die zur Dokumentation des Ortes verwendet wurden, eint das Rauschen, welches auch die zentrale Komponente der Lärmbelastung darstellt. Das analoge Foto entsteht im Negativ immer in Zusammenspiel mit dem Korn, dem ,Rauschen‘ des Filmes und ist nie ohne dieses zu begreifen – genauso, wie der Ton gegen das Grundrauschen der Bandaufnahme bestehen muss und mit diesem untrennbar verbunden zu hören ist.