Ehrlich gesagt, wusste ich anfangs gar nicht so genau, was ich eigentlich möchte und wohin es gehen sollte. Ich hatte lediglich den klaren Wunsch ins Ausland zu gehen, und ein großes Interesse für Illustration. Da Illustrator:innen jedoch normalerweise nicht Teil einer Agentur sind, sondern selbstständig für verschiedene Auftraggeber:innen arbeiten, wusste ich, dass das eine Herausforderung werden könnte. Dazu kommt, dass jede:r Illustrator:in einen eigenen Stil hat – und ich fragte mich, wie ich die jeweilige Arbeit als Praktikantin überhaupt unterstützen könnte.
Auf der Suche nach einem Praktikumsplatz durchstöberte ich die Liste von Künstler:innen und Designer:innen, denen ich auf Instagram folge. Dabei stieß ich auf Samuel Eckert. Vor einigen Jahren war ich durch seine Arbeiten auf ihn aufmerksam geworden – Illustrationen, die eine klare Handschrift, Humor und zugleich eine gewisse Tiefe besitzen. Samuel schien jemand zu sein, mit dem ich mir eine Zusammenarbeit gut vorstellen konnte. Glücklicherweise folgte Samuel mir bereits auf Instagram, obwohl wir bis zu diesem Zeitpunkt noch nie persönlich in Kontakt gewesen waren. Anstatt viel hin- und herzuschreiben, verabredeten wir uns eine Woche später zu einem Kennenlerngespräch über Google Meets. Da Samuel meine illustrativen Arbeiten bereits kannte, wollte er vorab nur noch eine kleine Auswahl an grafischen Arbeiten und meinen Lebenslauf sehen. Das Gespräch verlief sehr gut – wir verstanden uns sofort und Samuel legte großen Wert darauf, meine Erwartungen an das Praktikum zu hören. Nach dem Gespräch bot mir Samuel dann offiziell den Praktikumsplatz ab November an. Etwa zwei Wochen nach Beginn meines Praktikums, fragte mich Samuel, ob ich das ursprünglich zweimonatige Praktikum um weitere zwei Monate verlängern wollte. Das hat mich sehr gefreut, da mir die Arbeit viel Spaß machte. Wir hatten dadurch mehr Zeit für gemeinsame Projekte und für seinen anstehenden Umzug in ein neues Studio.
Meine Arbeitszeiten waren grundsätzlich flexibel, aber wir einigten uns darauf, dass ich um 9 Uhr beginnen und gegen 17 Uhr aufhören sollte. Wir hielten uns selten genau daran; fast jeder Tag war anders. Oft waren wir unterwegs, trafen Kund:innen oder arbeiteten an Projekten, die auch mal abends oder am Wochenende meine Unterstützung erforderten. An manchen Tagen arbeitete ich daher nur wenige Stunden, während ich an anderen bis spät in die Nacht an Projekten mitwirkte. Das hatte ich bereits erwartet, da ich diese unregelmäßigen Abläufe durch meine eigenen Aufträge als selbstständige Illustratorin kannte. Eine perfekte Wochenplanung gibt es in der kreativen Selbstständigkeit kaum – Flexibilität ist essenziell, und genau das wollte ich während meines Praktikums erleben. Es gab Phasen, in denen wir kaum hinterherkamen, weil so viel zu tun war, und dann wieder Zeiten, in denen weniger Aufträge hereinkamen, wie zum Beispiel am Anfang des Jahres im Januar. In dieser ruhigeren Phase konzentrierten wir uns vor allem auf die Planung des Studios, zukünftige Projekte und kreative Ideenfindungen. Die Mischung aus intensiven Arbeitszeiten und entspannteren Momenten machte den Alltag spannend.
Das Praktikum war für mich eine wirklich lehrreiche Erfahrung, die mir viele neue Fähigkeiten vermittelt hat. Besonders wichtig war für mich das Erlernen der Kommunikation mit Kund:innen und die Fähigkeit, Preise zu verhandeln und den Wert meiner Arbeit zu erkennen. Ich erfuhr, wie es ist, mehrere Projekte gleichzeitig zu managen, effektiv zu arbeiten und kreativ zu experimentieren – sowohl digital als auch analog. Besonders der Umgang mit Programmen wie Illustrator, die mich zuvor eher abschreckten, war ein wertvoller Aspekt. Die Präsenz von Samuel, der mir stets mit Tipps und Tricks zur Seite stand und mich zu Meetings mitnahm, half mir dabei, die Bedeutung von Kommunikation und Networking zu verstehen. In einer Stadt wie Paris ist es wirklich von entscheidender Bedeutung, ein gutes Netzwerk zu haben.