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  • Text Luca Jonscher
  • Abbildungen Luca Jonscher

Ein Wappen ist ein heraldisches Symbol, das eine Person, Familie oder Institution repräsentiert. Während Wappen früher ein geläufiges Mittel zur Identifikation waren, tragen heute nur noch wenige Organisationen ein Wappen in ihrem Logo, unter anderem sogenannte Gebietskörperschaften wie Staaten oder Kommunen, Sportvereine und Universitäten. Durch die Digitalisierung tritt jedoch ein Problem auf. Die meisten Wappendarstellungen sind detailliert, analog gezeichnet und komplex; zu kompliziert, um einfach digitalisiert zu werden. Stattdessen müssen sie modern und digital neugestaltet werden. Bei der Neugestaltung eines Wappens gibt es einige Sachen zu beachten. Dieser Artikel gibt eine kurze Einführung in den Aufbau und die moderne Gestaltung von Wappen.

Aufbau eines Wappens

Ein Wappen identifiziert seine:e Träger:in und basiert auf den Schilden des Mittelalters. Das Beschäftigungsfeld um Wappen heißt Heraldik. Der (Wappen-)Schild – oft auch als Wappen bezeichnet – ist das Hauptelement eines Wappens und meist in Form eines Schildes (1). Zusätzlich zum Schild haben manche Wappen weitere Elemente: Schildhalter, meist in Formen von Tieren (2); einen Untergrund (3); einen Helm (4) mit Helmdecke (5), Helmwulst (6) und Helmzier (7) oder eine Krone; einen Schlachtruf (8); Orden, die dem Träger verliehen wurden (9) und ein Motto (10).

Ausgehend von der Blasonierung (Beschreibung) des Wappens werden individuelle Wappendarstellungen gestaltet. Dabei ist zu beachten, dass die Blasonierung aus der Sicht der Träger:in geschieht, d. h. links und rechts sind vertauscht. Im Gegensatz zu Logos können Wappen nicht willkürlich verändern werden. Sie sind heraldische Embleme mit einer fixen Beschreibung. Der individuelle Stil und die Ausführung jeder Wappendarstellung können variieren, der Inhalt muss jedoch immer der Blasonierung entsprechen. 

Der individuelle Stil und die Ausführung jeder Wappendarstellung können variieren, der Inhalt muss jedoch immer der Blasonierung entsprechen.

Zwar können einzelne Elemente stilisiert, vereinfach und teilweise abgewandelt werden, das generelle Layout und Konzept des Wappens müssen jedoch beibehalten werden. Das bedeutet, dass man beim Neuzeichnen eines Wappens immer auf die Blasonierung achten muss. Allgemein kann es zwar eine offizielle, jedoch keine einzige korrekte Version eines Wappens geben. Jede Darstellung ist eine Visualisierung der Blasonierung; nur im Gegensatz zu Logos können mehrere Versionen korrekt sein. (Dies sieht man gut an den verschiedenen Logos des deutschen Staates, z. B. der Regierung, des Bundestags oder dem Bundesverfassungsgerichts, die alle eine eigene Version des deutschen Wappens enthalten.)

Es gibt viele verschiedene Schildformen. Diese sind jedoch meist nicht in der Blasonierung festgelegt, sondern ein Resultat von Zeit, Region und Tradition. Die Gestaltung eines Schildes geschieht durch drei Elemente:

Schildteilung: Das Schild kann in mehrere Felder, beispielsweise in zwei durch eine vertikale Spaltung, separiert werden.

Heroldsbild: Heroldsbilder sind generische geometrische Elemente wie Balken oder Rauten.

Gemeine Figur: Gemeine (im Sinne von allgemeine) Figuren können praktisch a

Die Farbgebung eines Wappens beinhaltet die vier Farben Rot, Blau, Grün und Schwarz sowie die zwei Metalle Silber (Weiß) und Gold (Gelb). Allgemein sollten Farbe und Farbe bzw. Metall und Metall nicht aneinandergrenzen, sondern immer nur Farbe und Metall. Teilweise gibt es auch weitere Farben, wie Braun oder Grau. Gemeine Figuren werden häufig in natürlichen Farben dargestellt.

Ein Wappen digitalisieren

Es gibt drei Möglichkeiten, um eine digitale Version eines existierenden, traditionellen Wappens zu erstellen: 1. Scannen, 2. Vektorisieren, 3. Neuzeichnen

Die zwei Stile von digitalen Wappen

Es gibt zwei verschiedene Stile für digitale Wappendarstellungen. Beide können auf vielseitige Weise gestaltet werden, unterscheiden sich aber in ihrer Methodik und Herangehensweise. Traditioneller Stil bedeutet, dass versucht wird, das Aussehen von traditionelle Wappenzeichnung auf Papier zu replizieren. Die Wappendarstellungen haben dabei viele Details. … Ein Moderner Stil nutzt einen modernen Vektor-/Logo-Design-Ansatz.

Ein Wappen vereinfachen und modernisieren

Traditionelle Zeichnungen von Wappen sind sehr expressiv und bedeutungsvoll; sie tragen Geschichte, Tradition und Gemeinschaft. Aber sie haben auch zwei bedeutende Nachteile: mangelnde Lesbarkeit und Modernität. Die fehlende Lesbarkeit entsteht durch eine geringe Qualität der Gestaltungsbasis und eine große Komplexität der Motive, die häufig detailreich ausgearbeitet wurden. 

Beides verhindert, sie erfolgreich in eine moderne Corporate Identity zu integrieren, weswegen es oft notwendig ist, eine neue Version des Wappens zu gestalten. Im Vergleich zum Redesign eines Logos ist man jedoch viel stärker begrenzt in der Umsetzung. Verschiedene Versionen eines Wappens können (und sollen) sich in Stil, Komplexität und Details unterscheiden – nicht jedoch in Bezug auf Information und Bedeutung. Die kreativste moderne Darstellung eines Wappens ist nicht die mit den wenigsten Elementen, sondern die, die Einfachheit und Details am besten miteinander in Einklang bringt.

Im Vergleich zum Redesign eines Logos ist man jedoch viel stärker begrenzt in der Umsetzung.

Vereinfachen

Vereinfachen ist die primäre Methode bei der Neuzeichnung eines Wappens für digitale Zwecke. Der Prozess des Vereinfachen ist ziemlich frei, solange die inhaltliche Bedeutung nicht verwaschen wird. Technisch funktioniert es ähnlich wie das Vereinfachen von Logos und Illustrationen, z. B. durch das Entfernen von Farbverläufen, das Ersetzen von detaillierter Linienarbeit mit einfachen Formen und die Verwendung von einheitlichen Strichdicken. Ein vereinfachtes Element kann jeden Designstil haben, solange dieser mit dem Rest des Wappens übereinstimmt. In den meisten Fällen ist es jedoch wichtig, das Wappen nicht zu simpel zu gestalten. Ein Wappen ist immer noch ein heraldisches Symbol, welches meist als Hoheitszeichen dient; eine zu starke Vereinfachung wird dieser Rolle nicht gerecht. Formen zu reduzieren ist ein gröbere Methode, bei der Elemente entfernt werden, um das Wappen zu simplizieren. 

Farbe

Es gibt einen großen Unterschied in der Gestaltung von traditionellen und modernen Wappendarstellungen hinsichtlich der Farbe. Während traditionelle Wappendarstellungen meistens eine große Farbpalette haben und jede gemeine Figur in ihrer natürlichen Farbe dargestellt wird (manchmal sogar mit Farbverläufen), sind moderne Wappendarstellungen oft einfarbig oder haben eine limitierte Farbpalette. Aus Simplizitätsgründen kann man Farben abändern oder angleichen, wenn dies das Konzept des Wappens nicht maßgeblich entfremdet. In der Heraldik gibt je nach Region meist einen Konsens zu den verwendeten Farbtönen. Moderne Darstellungen lassen sich bis auf wenige Ausnahmen leicht für Schwarz-Weiß-Verwendung anpassen. 

Wappen in Logos und CIs

Wenn ein Wappen als Teil eines Logos oder einer Corporate Identity verwendet wird, ist es wichtig, es dem Stil und Kontext anzupassen. Oft ist es sinnvoll, für eine CI mehrere Versionen eines Wappens zu erstellen, beispielsweise eine traditionelle Variante für offizielle Dokumente und Kommuniqués und eine moderne, vereinfachte Version für das Logo und digitale Anwendungen.

Manche Wappen haben so viele oder so komplizierte Elemente, dass diese nicht sinnvoll zu modernisieren sind, ohne das viel Inhalt verloren geht oder ein Wappen passt schlichtweg nicht in den Stil der CI. In solchen Fällen ist es sinnvoller, Elemente des Wappens eigenständig und unabhängig vom Wappenkontext aufzugreifen. 

Fazit

Wappen sind zwar immer seltener zu sehen, aber immer noch ein spannendes und interessantes Motiv – auch für moderne Logos und Corporate Identities. Um Wappen aber in heutigen digitalen Kontexten verwende zu können, muss man sie mit wenigen Ausnahmen komplett neuzeichnen, um den heutigen Ansprüchen gerecht zu werden. Während man beim Redesign eines Logos sehr viel Freiheit hat, ist man bei einem Wappen durch die Blasonierung und die Gesetze der Heraldik begrenzt. 

Ob man statt sechs nur vier Streifen, statt einem blauen Löwen einen einheitlichen roten Löwen, statt einem iberischen Schild ein französisches Schild benutzen kann, kann man nicht pauschal beantworten. Hinsichtlich der Geschichte des Wappens, der Verwendung und des Stils, muss man entscheiden, ob die „Verletzung“ der Blasonierung vertretbar und sinnvoll ist. Diese Einschränkungen machen die Gestaltung von Wappendarstellungen zwar komplizierter als die Gestaltung von Logos, sie ist dadurch aber ungeheuer interessant und erfordert viel Kreativität.